Bunte Kleidung

von Doris Brundza

Ich habe eine sehr ungewöhnliche Erfahrung gemacht, was die Gesundheit angeht.

Seit Jahren verfolge ich einen sehr gesungen Lebensstil, was selbstzubereitete Nahrungsmittel, Aerobic, Sport und Yoga in meiner täglichen Routine einschließt. Ich hatte kein Auge für Junkfood oder Zucker und stellte immer sicher, trotz meines hektischen Tages als Modedesignerin mindestens sieben Stunden Schlaf pro Tag zu bekommen. Als ich mich mehr über Pestizide bildete, begann ich mich von organisch gezogenen Lebensmitteln zu ernähren und gefiltertes Wasser aus Flaschen zu trinken. Ich dachte, dass ich die meisten offensichtlichen Gesundheitsgefahren und Gifte aus meinem Leben eliminiert hätte.
Als ich dann vor sechs Jahren eine chemische Allergie entwickelte, entdeckte ich eine neue Quelle von ‘Verschmutzung’, die mir vorher noch nie untergekommen war. Nein, es war keine belastete Luft in den Räumen, kein Kakalakenspray und auch kein elektromagnetisches Feld. Es war meine Kleidung! Kleidung aus der Trockenreinigung und solche aus synthetischen Stoffen erzeugten natürlich allergische Reaktionen, das Gleiche jedoch war für mich auch bei Baumwolle und Leinenstoffen der Fall, die ich viele Male gewaschen hatte. Warum?

Als Modedesignerin, die Stoffe beim Hersteller kauft, war es einfach für mich, an die Insider-Geschichte zu gelangen. Die Antwort war das Permanentfinish, die in diesem Land (USA) auf jeden Zentimeter des Gewebes verbracht wurde. Das sind Finishe, die dafür entworfen sind, niemals auszuwaschen. Kein Wunder, dass ich Probleme bekam! Ich dachte immer, dass ich ‘reine’ Baumwolle oder ‘reines’ Leinen trüge, tatsächlich trug ich eine lange Liste von Chemikalien. Die schockierendste Entdeckung für alle war jedoch, dass es nicht nur die Empfindlichen oder Allergiker trifft; es ist eine Tatsache, dass in den USA ein bekanntes Krebs erregendes Mittel, Formaldehyd, zur Vorbeugung gegen Falten, gegen Schrumpfen und um die Haltbarkeit zu verbessern, praktisch permanent auf eigentlich alle Baumwollstoffe aufgetragen wird.

Nach einer Studie, die vom Formaldehydinstitut selbst über einen Zeitraum von über 10 Jahren durchgeführt wurde, kann eine so geringe Menge wie 15 ppm (Parts per million = Teile pro 1.000.000) in der Luft in nur 35 Stunden bei Labortieren durch Einatmen Krebs erzeugen. Die meisten behandelten Stoffe gasen mehr als diese Menge aus und wir tragen die daraus hergestellten Kleidungsstücke 24 Stunden am Tag (ja, es ist auch in unseren Betttüchern). Wenn die chemische Allergie daher kommt, dass wir die Substanz einatmen, was geschieht mit uns, wenn er durch die Haut eindringt? Niemand hat es für nötig befunden, das herauszufinden. Wenn man einen beliebigen Arzt fragt, wird er sagen, dass die Haut – wie die Lungen – ein Atmungsorgan ist, das auch recht groß ist. Studien haben ergeben, dass Kinder, die in chloriertem Wasser schwimmen, viel mehr Chlor durch die Haut aufnehmen, als wenn sie dieses Wasser trinken würden! Die Haut ist also keine leblose Barriere sondern ein hoch absorbtives Gewebe. Wer würde also wissentlich Krebs erregende Chemikalien auf seiner Haut tragen? Niemand! Das ist der Grund, warum Formaldehyd nie deklariert ist. Es ist das vielleicht bestgehütete Geheimnis der Stoffindustrie.

Formaldehyd ist auch als sehr sensibilisierende Chemikalie bekannt, was bedeutet, dass ein langes Ausgesetztsein einen für viele weitere Chemikalien allergisch machen kann. Ich bin mir sicher, dass meine 15 Jahre im Beruf als Modedesignerin mit täglichem Kontakt zu dieser Chemikalie mein Immunsystem ruiniert haben. Ich wurde plötzlich gegen alle Chemikalien allergisch, auch den natürlichen in Nahrungsmitteln. Diese Immunerkrankung, die man ‘Environmental Illness’ (EI, Umwelterkrankung) oder ‘Multiple Chemical Sensitivity’ (MCS, Multiple chemische Empfindlichkeit) bezeichnet, war vor 30 Jahren vollkommen unbekannt, wächst nun aber so rapide an, dass sogar Neugeborene gegen alle möglichen Sachen allergisch sind.

Natürlich wissen jene Leute mit EI oder MCS alles über Formaldehyd, denn sie müssen versuchen, es zu meiden. Dies ist sehr schwer, denn es wird bei der Herstellung von allem und jedem, von Toilettenpapier bis Baustoffen verwendet. Viele Umweltschützer und öffentliche Gesundheitsbeauftragte sind sich nun der Gefahren bewusst, die es darstellt, wenn es aus neuen, versiegelten Gebäuden ausgast, denn es macht die Leute krank. Formaldehyd ist eine der Chemikalien, die für das ‘Sick Building Syndrom’ (Das Sick-building-Syndrome oder SBS, die sog. gebäudebezogene Krankheit soll sich in Allergien, Infektionen und Verschlechterung eines bestehenden Asthma bronchiale bei Betroffenen äußern, die in Gebäuden wohnen oder arbeiten, die gesundheitliche Standards nicht einhalten. [Quelle Wikipedia]) verantwortlich ist, das nun ein nationales Gesundheitsproblem zu werden droht.

Die Verwendung von Formaldehyd in Stoffen hat so weit zugenommen, dass in den letzten 10 Jahren die Gewerkschaft der Textilarbeiter aus Sorge über ein erhöhtes Krebsrisiko einen geringeren Einsatz gefordert hat. Unzweifelhaft wird Formaldehyd irgendwann einmal verboten werden, so wie es mit Asbest oder DDT geschah. Inzwischen durchdringt es jedoch unsere Umwelt und sogar unsere Kleidung, unseren nächststehenden Kontakt. Betroffene Industrieführer entwickeln aus Besorgnis über ein Verbot einen Ersatzstoff aus einem Phenolderivat von Kohle und Benzene. Das klingt jedoch auch nicht nach etwas, das man den ganzen Tag an seiner Haut haben möchte! Man entschied, dieses neue Finish ‘Green Finish’ (Grünes Finish) zu nennen, denn man denkt, dass es dann ökologisch eher akzeptiert wird. Man fragt sich, ob der Stoffindustrie die Bedeutung der beiden Wörter überhaupt bekannt ist!

Als ich gegen Formaldehyd so allergisch wurde, war der einzige Weg, Kleidung zu tragen, mir meine eigene ‘sichere’ Garderobe aus unbehandelten Stoffen zu entwerfen. Das war nicht leicht, ich konnte aber letztlich Stoffe ohne Formaldehyd oder einem anderen permanenten Finish finden und nutzte meine professionelle Erfahrung, wundervolle Kleidung zu entwerfen. Da ich mit anderen Frauen mit EI und MCS in Verbindung stand, merkte ich, dass es einen Bedarf an ‘reiner’ Kleidung gab, und so gründete ich meine eigene Firma, ‘Canary Clothes’ (Kanarienkleider). Ich verwendete das Wort Canary, weil es der (… in englischer Sprache gebräuchliche …) Spitzname von Leuten ist, die auf gefährliche Chemikalien empfindlicher reagieren als eine durchschnittliche Person. Zu meiner Überraschung waren viele gesundheitsbewusste Frauen, die nicht allergisch waren, auch an meinem Produkt interessiert, speziell diejenigen, die über die Formaldehydkontroverse Bescheid wussten.

Das Schöne an meiner Kleidung ist ihre Qualität, Reinheit und die Tatsache, dass sie komplett handwaschbar ist., was die Notwendigkeit chemischer Reinigung, auch die von Seide, eliminiert. Dies ist für die Gesundheit wichtig, denn die Flüssigkeit, die von 80% der chemischen Reinigungen in den USA verwendet wird, ist Perchloräthylen (PERC), das – man sollte es kaum glauben – krebserregend wirkt. Die Gesundheitsbehörde hat die Konzentrationen, denen die Arbeiter ausgesetzt sind, drastisch reduziert und arbeitet an einem vollkommenen Verbot der Substanz. Studien haben nachgewiesen, dass nach einem nur fünfminütigem Besuch einer chemischen Reinigung diese Substanz im Blut noch bis zu acht Stunden nachgewiesen werden kann! Hier gibt es also noch etwas, das niemand in der Nähe seiner Haut haben möchte, wenn die Tatsachen bekannt wären.

Unglücklicherweise weiß die Öffentlichkeit nicht die ganze Wahrheit über den chemischen Kokon, mit dem sie sich täglich umgibt und die Industrie hat keine Eile, ihr das bekannt zu machen. Bis jetzt hat sie von saurem Regen, Luft- und Wasserverschmutzung und Pestizidrückständen in Nahrungsmitteln gehört. Wie viele wissen jedoch um die Risiken beim morgendlichen Ankleiden? Ich hätte das nie herausgefunden, wenn ich nicht gegen Chemikalien allergisch geworden wäre. Wenn die Öffentlichkeit besser über die Inhaltsstoffe der Produkte, die sie kauft, informiert würde, dann würden durch den öffentlichen Druck schließlich alle giftigen Stoffe verboten werden. Ansonsten glaube ich,dass jeder Einzelne eine Wahl haben sollte, inwieweit er sich Chemikalien aussetzt.

Es ist mein persönliches Ziel, Leute zu informieren und eine gesunde Alternative auf dem Gebiet der Kleidung anzubieten, in dem ich meine Erfahrung habe. Unglücklicherweise musste ich auf die harte Tour lernen, dass Mutter falsch lag. Was man nicht weiß, KANN einem trotzdem schaden!

Weitere Informationen (in Englisch).

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