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von Gisela Gerhold
Sind Sie auf eine Grippeepidemie oder gar Pandemie vorbereitet? Dazu ein Zitat von Sandra Perko aus ihrem Buch zur homöopathischen Behandlung der Grippe: “Natürlich ist es bei einer Katastrophe oder in einer nationalen Krise immer ideal, wenn man sich auf die standardmäßige medizinische Versorgung verlassen kann – und Unterstützung durch die Homöopathie wie auch durch eine entsprechende Ernährung in der Klinik bekommen kann. Jedoch kann es im ‚Worst Case Scenario’, und wenn man einmal an das Desaster der Spanischen Grippe zurückdenkt1, möglich sein, dass man niemanden erreichen kann. 1918 waren die Menschen, die sich mit der Homöopathie auskannten, in der Lage, sich und ihren Angehörigen selbst zu helfen, um jene medizinische Katastrophe zu überleben. Sie verloren keine wertvolle Zeit damit, auf Hilfe zu warten, wenn keine Hilfe vorhanden war, sondern sie reagierten schnell und effektiv, indem sie sich das individuelle Symptombild anschauten und aufgrund dessen das wirkungsvollste Heilmittel bestimmten – wenn sich die Symptome veränderten, änderten sie auch das Mittel.” Mit dem eindrucksvollen Erfolg, dass bei homöopathisch behandelten Grippekranken nur vergleichsweise wenige Todesfälle zu beklagen waren.
Für Homöopathen ist es völlig gleichgültig, wie eine Krankheit heißt und welcher Virus oder Serotyp eines Virus nun den Menschen befallen hat; einzig die individuellen Symptome des Erkrankten werden für die Auswahl der homöopathischen Mittel herangezogen und diese Auswahl je nach Entwicklung der Pathologie auch verändert. Deshalb werden in der grundsätzlichen Behandlungsweise der “echten” Grippe (Influenza) und einem grippalen Infekt auch keine Unterschiede gemacht, und nach dieser Vorgehensweise würde bei ihrem Auftreten ebenso die “Vogelgrippe” behandelt werden. Auf gesetzliche Unterschiede bezüglich Behandlungsverboten ist allerdings hinzuweisen: Influenza und damit auch eine eventuelle Vogelgrippe darf nach den Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes (ifSG) in Deutschland von Nichtärzten nicht behandelt werden, ein grippaler Infekt dagegen schon.
Sandra Perko listet rund 80 homöopathische Mittel auf zur Behandlung der Grippe; in der ersten Gruppe diejenigen, die in der Geschichte der Homöopathie immer wieder erfolgreich bei Grippe eingesetzt wurden und die daher als die wichtigsten Mittel zu deren Behandlung gelten:
Arsenicum album
Baptisia tinctoria
Bryonia alba
Eupatorium perfoliatum
Gelsemium sempervirens
Influenzinum
Phosphorus
Rhus toxicodendron
Ebenfalls wichtige Grippemittel sind nach Perko:
Aconitum napellus
Camphora officinarum
Causticum
Chelidonium majus
Eucalyptus
Euphrasia officinalis
Ferrum phosphoricum
Mercurius solubilis
Nux vomica
Pyrogenium
Sulphur
Als weitere Mittel kommen nach Perko in Frage:
Aesculus hippocastanum
Allium cepa
Ammonium bromatum
Ammonium carbonicum
Ammonium muriaticum
Antimonium tartaricum
Arnica montana
Arsenicum hydrogenisatum
Arsenicum iodatum
Arsenicum sulphuratum rubrum
Arum triphyllum
Asarum europaeum
Avena sativa
Belladonna
Bromium
Calcarea carbonica
Carbo vegetabilis
Carbolicum acidum
China officinalis
Cimicifuga racemosa
Cypripedium pubescens
Drosera rotundifolia
Dulcamara
Eriodictyon californicum
Eryngium aquaticum
Glonoinum
Gymnocladus canadensis
Hepar sulphuris calcareum
Hydrastis canadensis
Hyoscyamus niger
Iberis amara
Iodum
Ipecacuanha
Iris versicolor
Kali bichromicum
Kali carbonicum
Kali iodatum
Lachesis
Lycopodium clavatum
Magnesia phosphorica
Mercurius biniodatus cum kali iodat.
Natrum salicylicum
Natrum sulphuricum
Oscillococcinum
Phellandrium
Phytolacca decandra
Psorinum
Pulsatilla nigricans
Quercus glandibus
Rumex crispus
Sabadilla
Salicylicum acidum
Sanguinaria canadensis
Sarcolacticum acidum
Scutellaria laterifolia
Senega
Spigelia anthelmia
Spongia tosta
Stannum metallicum
Sticta pulmonaria
Strychninum purum
Tuberculinum
Veratrum album
Nach den Regeln der Homöopathie kommt aber theoretisch auch jedes andere Mittel in Frage, soweit es die typischen Symptome des Patienten abdeckt (siehe dazu auch die Fallbeschreibung und die Anmerkung zu Naja).
Für Radioniker empfiehlt es sich, anhand dieser Auflistung entsprechende Testvorlagen zu erstellen, die im Bedarfsfall eine schnelle Heilmittelanalyse ermöglichen. Zumindest mit den wichtigeren der Grippemittel sollte man soweit vertraut sein, dass man Symptome des Patienten dem entsprechenden Arzneimittelbild zuordnen kann. In meiner Praxis arbeite ich seit etlichen Jahren nach einem bestimmtem System, wonach ich die Fallaufnahme und Auswertung (= Repertorisation) nach den Regeln der klassischen Homöopathie mache und dies kombiniere mit radionischer Testung mit dem M.A.R.S. III von Bruce Copen Laboratories. Gerade auch bei Fällen, wo die Befragung und Untersuchung des Patienten sehr wenig an typischen verwertbaren Symptomen ergibt, ermöglicht diese Vorgehensweise trotzdem eine treffsichere Auswahl homöopathischer Mittel und von Anfang an eine erfolgreiche Behandlung.
Welche Symptome sind in der Homöopathie verwertbar? Nach den Regeln der klassischen Homöopathie sind diejenigen Symptome, die typisch für eine bestimmte Erkrankung sind und daher praktisch bei jedem Patienten vorhanden sind (bei Grippe also beispielsweise hohes Fieber, Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Husten), nicht verwertbar; was wir brauchen, sind die ganz individuellen Besonderheiten im Verlauf der Erkrankung bei genau diesem Patienten. Dabei sind auch alle Sinne des Behandlers gefragt und alle entsprechenden Beobachtungen wichtig; ohne diese Beobachtungen und die Kombination mit radionischer Testung wäre ich im beschriebenen Fall wohl nicht in der Lage gewesen, hilfreiche Mittel zu finden, da die Befragung des Patienten alles andere als ergiebig und er zudem zeitweise kaum ansprechbar war.
Fallbeschreibung: Es handelt sich um einen Einzelfall aus meiner Familie (da ich ansonsten als Heilpraktikerin bei einer Influenza dem Behandlungsverbot nach IFSG unterliege). Ich stelle ihn trotzdem ganz bewusst vor, da trotz schweren Verlaufs der Grippe ausschließlich homöopathisch und naturheilkundlich behandelt wurde. Der Patient ist männlich, Anfang 50 und sonst gesund, ohne Grippeschutzimpfung.
25.1.08: Patient (in der weiteren Beschreibung mit P. abgekürzt) war am Vorabend noch auf einer Veranstaltung und – gesund – spät zu Bett gegangen. Am frühen Morgen erwacht er glühend heiß, mit Hals-, Kopf- und starken Gliederschmerzen. Als er vor 7°° Uhr bei mir in der Tür steht, hat er fast 40° Fieber, trockene Hitze, ein hochrotes Gesicht, leichten Schüttelfrost, starke Gliederschmerzen (Knochen) und kann kaum schlucken (keine näheren Angaben möglich). Er bekommt Aconitum (Einmalgabe) und Holunderblütentee und legt sich ins Bett. Gut eine Stunde später bekommt er Eupatorium (Einmalgabe).
Praxisbedingt kann ich erst in der Mittagszeit wieder nach ihm sehen. Das Fieber ist weiter angestiegen auf über 41°, es gibt immer noch keinerlei Schweiß, trotz der Fieberhitze fröstelt der P. stark; der Puls ist kaum fühlbar; das Gesicht ist jetzt düsterrot und auf den Wangen (Bereich Jochbeine und Kieferhöhlen) zeigen sich dunkelrote Flecke; Halsschmerzen unverändert, Kopfschmerzen (starker Druck) und extreme Gliederschmerzen. P. erhält Naja tripudians (Einmalgabe), ein hochdosiertes Weißdornpräparat zur Herzstützung, heißen Holunderblütentee und ein warmes Halbbad, danach eine “Schwitzpackung” im Bett.
Bis zum Abend sinkt daraufhin das Fieber auf 39°; ein trockener, harter und sehr schmerzhafter Husten ist dazugekommen (Schmerz besonders im Bereich des Brustbeins), die Stimme ist heiser, rau und tief, die Lippen ganz trocken und mit abblätternder Haut, die Zunge trocken und braun belegt, der Kopf dumpf benommen, das Gesicht nach wie vor düsterrot und mit dunkelroten Flecken; Durst (frisch gepresster Saft und Wasser); ansonsten liegt P. wegen der extremen Schmerzen bewegungslos und will nicht angefasst (und schon gar nicht untersucht) werden. Bryonia (Einmalgabe).
Nachts röchelnde Atmung, bestialischer Gestank des ganzen Zimmers (faulig? schwer zu beschreiben), mehrmals Durchfall, teilweise mit unwillkürlichem Abgang, immer wieder Husten.
26.1.08: Temperatur früh knapp unter 38°; P. steht auf, weil er wegen der benötigten Krankschreibung zum Arzt muss. Dort wird mittels Schnelltest Influenza Typ A nachgewiesen und Tamiflu verordnet. – Arsenicum album in einer mittleren Potenz, “Wasserglasmethode”, über den Tag verteilt mehrmals einen Teelöffel. Das Fieber steigt wieder und ist am Abend noch höher als am Vortag (> 41°); der Gestank im Zimmer ist unerträglich, dunkelrote Flecke nicht nur im düsterroten Gesicht, sondern auch am vorderen Oberkörper. Nachts wieder röchelnde Atmung und viel trockener harter und schmerzhafter Husten; dieser wird jetzt vor allem und sofort ausgelöst, sobald das Fenster geöffnet wird.
27.1.08: Gegen Morgen Baptisia (Einmalgabe) und Influencinum (Einmalgabe) und später als Q-Potenz Rumex. Morgens liegt die Temperatur unter 38°, steigt zum Abend wieder auf 39° an; das Gesicht zeigt noch die fleckige düstere Röte; Husten wie am Vortag.
28.1.08: P. ist fieberfrei und fühlt sich recht gut, die fleckige Röte ist verschwunden, der Husten nach wie vor quälend (Symptomatik unverändert). Rumex (Hochpotenz, einmalig). Gleich um 9°°Uhr (= Montag!) Anruf und Fragen durch das zuständige Gesundheitsamt.
ab 29.1.08: anhaltende Besserung, P. bleibt fieberfrei und hält nur noch zeitweise Bettruhe ein.
Nachbehandlung/Nachbeobachtung: Der Schwere der Erkrankung entsprechend verläuft die Rekonvaleszenz normal und wird homöopathisch und naturheilkundlich begleitet (siehe Beitrag im zweiten Teil). Kein Rückfall und keine Komplikationen. Nach der Rekonvaleszenz fühlt sich der P. physisch, psychisch und mental bestens und sogar besser als vor der Erkrankung.
Anmerkungen: Eines der gegebenen Mittel war Naja (ausgewählt u.a. wegen des Aussehens und der Kreislaufsymptomatik), das in der Literatur nicht als Grippemittel angeführt wird. Interessanterweise brauchte ich dieses Mittel ebenfalls, obwohl ich – dank homöopathischer Prophylaxe (siehe Beitrag im zweiten Teil) – den Infekt stark abgeschwächt und mit völlig anderem Verlauf durchmachte.
Neben den oben genannten homöopathischen Mittel kamen folgende naturheilkundlichen Heilmittel und Maßnahmen zum Einsatz: hochdosiertes Weißdornpräparat zur Herzstützung (in reduzierter Dosis auch noch während der Rekonvalszenz); ätherische Öle wegen ihrer antibakteriellen, antiviralen, schleimlösenden und schmerzlindernden Eigenschaften, teils in einer Duftlampe zur Raumdesinfektion, teils verdünnt mit pflanzlichem Basisöl für warme Ölwickel auf der Brust: Eukalyptus globulus und E. radiata, Niaouli, Cajeput, australisches Teebaumöl, Speiklavendel, Lavandin, Thymian. Schulmedizinische Medikamente wurden überhaupt nicht eingesetzt, auch nicht das verordnete Tamiflu.
Literatur
- Perko, Sandra: Die homöopatische Behandlung der Grippe: Mit einem Sonderteil über Vogel- und Schweinegrippe
, Narayana Verlag, 2007.
- Kents Repertorium der homöopathischen Arzneimittel. Taschenausgabe: Kents Repertorium der homöopathischen Arzneimittel. Sonderausgabe
- und diverse homöopathische Arzneimittellehren (Boericke, Allen, Clarke u.a.)
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