Operation Gonade

von George de la Warr

Früh im Jahr 1952 wurde das Fotografieren mit der Delawarr Kamera energisch vorangetrieben und über 2.000 Bilder waren aufgenommen worden. Es war das frühe Experimentalstadium dieses Teils unserer Arbeit, die Ergebnisse waren jedoch befriedigend und wiederholbar. Wir waren deshalb nicht erstaunt, als uns Dr. X. fragte, ob wir den Fortschritt einer Operation, der er sich in London zu unterziehen hatte, in Oxford aufzeichnen könnten.

Wir hatten schon ähnliche Anfragen bekommen und abgelehnt, teilweise wegen der Kosten und der aufzuwendenden Zeit; diese aber hatte den Vorteil der Einfachheit, weil die Operation an einem Hoden durchgeführt werden sollte. Aufgrund der Einfachheit von Form und Aussehen dieses Organs stimmten wir Dr. X.’s Anfrage zu.

Wenn es sich um einen komplexeren Körperteil gehandelt hätte, wäre es schwieriger geworden einen klaren Umriss zu erhalten und die Fotos wären nicht eindeutig zu interpretieren gewesen, geradeso wie zwei Röntgenologen über die Bedeutung der gleichen Röntgenaufnahme, sagen wir die einer Lunge, verschiedener Auffassung sein können. Wenn wir zum Beispiel gebeten worden wären, einen Hirntumor vor und nach einer Operation aufzunehmen, hätte das ein unbestimmtes Muster so wie in Abb. 1 ergeben, was tatsächlich das Foto ist, das wir mit der Rate 5064653 und dem Gedanken eines Hirntumors erhielten.

Hirntumor

Hirntumor


Abbildung 1

Das Bild wurde mit den Einstellungen für Hirntumor 5064653 erzeugt, der Patient war ein außergewöhnlicher Fall und praktisch todgeweiht.

Wir betonen, dass wir nicht zu verstehen behaupten, was genau wir fotografieren oder wie sich die Bilder in der Emulsion formen. Als wir mit der Rate für Hoden und diesem Gedanken im Kopf das einfache Foto (Abb. 2) erhielten, fühlten wir uns dazu in der Lage, das Experiment durchzuführen.

Hoden

Hoden


Abbildung 2

Das Bild wurde mit der Einstellung ‘Hoden’ erzeugt, bevor der Chirurg die Operation begann.

Die Zusammenarbeit mit dem Londoner Chirurgen war insofern zugesagt worden, dass er erlaubte, dass ein Verwandter des Patienten unmittelbar vor der Operation in Oxford anrufen durfte, aber die Art des Experiments war ihm nicht bekannt. Wir vereinbarten mit dem Patienten, dass wir nach dem Erhalt der telefonischen Information, dass die Operation begonnen hätte, 10 Minuten verstreichen lassen und dann ein Foto ‘Schnitt in Hoden’ aufnehmen würden, später nach der Operation ein Foto zu versuchen, um zu sehen, ob wir die Drainage aufdecken könnten, von der wir wussten, dass sie gelegt werden sollte.

Hodenschnitt

Hodenschnitt


Abbildung 3

Das Bild wurde mit der Einstellung ‘Schnitt in Hoden’ erzeugt, 10 Minuten nachdem der Chirurg die Operation begonnen hatte.

Wir bauten alles auf, hielten Abb. 2 bereit und erwarteten den Telefonanruf. 10 Minuten nach dem Anruf nahmen wir Abb. 3 ‘Schnitt in Hoden’ auf und 30 Minuten danach fotografierten wir ‘Fremdkörper in Hoden’. Die Feststellung der Drainage schien eine gute Idee, funktionierte aber nicht so, wie wir es erwarteten, was uns natürlich ärgerte. Wir hatten wohl einen Fremdkörper entdecktt, er sah aber nicht wie eine Drainage aus. Wir versuchten es nochmals und benutzten diesmal die Rate für ‘Silberdraht in Hoden’, das Resultat ist in Abb. 4 zu sehen.

Silberdraht

Silberdraht


Abbildung 4

Das Bild wurde nach der Beendigung der Operation mit der Rate für ‘Silberdraht in Hoden’ aufgenommen (Doppelbild des Drahts).

Die Fortsetzung folgte ungefähr drei Jahre später, als Kenneth Walker, der bedeutende Chirurg und Autor, die Laboratorien besuchte. Ich zeigte ihm angelegentlich die drei Aufnahmen, die wir gemacht hatten. Für einen Moment war er still und dann sagte er: “Ich war der Chirurg bei diesem Experiment und ich fragte mich damals, was der Anruf nach Oxford wohl zu bedeuten hätte.” Seine Überraschung war nicht geringer als unsere und ich nahm die Gelegenheit wahr, ihn nach der Drainage zu fragen. Seine Antwort war: “Oh, ich legte keine Drainage sondern für den Fall, dass eine Drainage notwendig würde, stattdessen einen Silberdraht. Ihr Foto zeigt ein sehr kurzes Stück des Drahts, wohingegen der Draht, den ich benutzte, mehr als 12 cm lang war und viel feiner als der, der auf Ihrem Foto zu sehen ist.”

Diese Erklärung erfreute uns natürlich, denn sie zeigte, dass wir den wahren Zustand fotografiert hatten – das Vorhandensein eines Drahts und anstelle einer Drainage, die der Operator erwartet hatte. Mit anderen Worten, es war keine eigentliche Gedankenfotografie und vielleicht vergleichbar mit einer Form von Gedankenradar. Das Foto war das Ergebnis einer akkuraten Gedankensonde des Operators. Der zweite Draht (siehe Abb. 4) war offensichtlich ein Doppelbildphänomen, das wir öfters erhielten und das vielleicht an der ungenauen Fokussierung eines Teils der Kamera lag.

Wir hatten früher mit der Möglichkeit experimentiert, dass die Gedanken des Operators ein notwendiger Bestandteil für den Erhalt des Fotos waren. Es stellte sich heraus, dass er wissen musste, welche Gedankensonde er wohin aussenden musste. Mit anderen Worten, er musste in der Lage sein, sein Ziel zu identifizieren.

Hat Frau Schmidt Rheuma im Radialis? Diese Frage drückte eine spezifische ‘Wer-Was-Wo’-Technik aus ähnlich der normalen radionischen Diagnosepraxis, die uns in den Händen begabter Operatoren so gute Dienste geleistet hat.

Das kurze Experiment, oder die Operation Gonade, hatte den Vorteil der Einfachheit insofern, als dass nur drei Fotos notwendig waren, um zu zeigen, dass eine Veränderung durch eine Operation in London stattgefunden hatte. Aus Sicht eines Wissenschaftlers müsste das jedoch mehrere Male wiederholt werden, bevor es als Beweis akzeptiert werden kann, der vollkommen verstanden werden würde. Was wir nicht verstehen können ist, warum das allgemeine Phänomen nach über 12.000 Fotos aller Sorten auf die Laboratorien beschränkt bleibt und nur das George Eastman House in New York versucht, es zu bestätigen.

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